Evaluierung zeigt: Pilotprojekt zur Neubenennung von Nazi-Straßen war erfolgreich
Pressestelle - Salzburg
11. Dezember 2025
Der Kulturausschuss des Salzburger Gemeinderats hat heute den Evaluierungsbericht zur Umbenennung der Heinrich-Damisch-Straße in Helene-Thimig-Straße besprochen. Die nationalsozialistisch belastete Straße war im April im Rahmen eines Pilotprojekts umbenannt worden. „Die Kosten waren mit vorläufig 1.700 Euro für Material und 30 Euro an Kostenersatz für Anrainer sehr niedrig. Die Zusammenarbeit zwischen den Ämtern hat sehr gut funktioniert“, sagt Kultursprecher Nikolaus Kohlberger (KPÖ PLUS): „Die Damisch-Straße war die erste von 13 am schwersten belasteten Straßen, die der Historikerbericht des Stadtarchivs zur Neubenennung empfiehlt. Nach der positiven Evaluierung können 2026 die nächsten folgen. Solange Straßen und Plätze nach Nationalsozialisten wie Josef Thorak, Ferdinand Porsche, Herbert Karajan oder Hans Pfitzner benannt sind, liegt noch viel erinnerungspolitische Arbeit vor uns.“
Die ehemalige Damisch-Straße im Stadtteil Parsch war mit nur acht Adressen recht kurz. Die ersten Erfahrungen mit einer großen Umbenennung wird die Stadt mit der Hermann-Gmainer-Straße in der Nähe des Flughafens machen. Sie soll aufgrund der Missbrauchsvorwürfe gegen den Gründer von SOS Kinderdorf einen neuen Namen erhalten. Hier geht es um 114 Haushalte. Diese Erfahrung wird für größere NS-belastete Straßen wie die Thorak-Straße in Aigen relevant sein.
Zum Hintergrund:Heinrich Damisch war Journalist, Mitbegründer der Festspiele – und NSDAP-Mitglied. Wegen seiner gravierenden Verstrickungen in das NS-Regime hat die von der Stadt eingesetzte Historikerkommission die Umbenennung empfohlen. Als neue Namensgeberin wurde Helene Thimig ausgewählt. Sie war Schauspielerin und Regisseurin und trat von den ersten Salzburger Festspielen 1920 an in den Stücken ihres Mannes Max Reinhardt auf. Die NS-Zeit verbrachten sie im US-amerikanischen Exil, wo Reinhardt 1943 verstarb. 1946 kehrte Thimig nach Österreich zurück und inszenierte mehrere Jahre den Jedermann. Mit der Helene-Thimig-Straße sind nunmehr 47 Straßen in der Stadt Salzburg nach Frauen benannt, 519 nach Männern – und immer noch 43 nach Nazis.