Gedenkjahr: KPÖ PLUS beantragt Denkmal für homosexuelle NS-Opfer
Pressestelle - Salzburg
4. September 2025
Auch 80 Jahre nach der Befreiung Salzburgs vom Nazi-Terror hat die öffentlichen Erinnerungskultur der Stadt Salzburg noch große Lücken. So wurden über 300 Salzburger und Salzburgerinnen aufgrund ihrer Homosexualität von den Nationalsozialisten verfolgt, inhaftiert und ermordet. Ein gut sichtbarer Erinnerungsort, vergleichbar mit dem „Euthanasie“-Mahnmal im Kurgarten oder dem Mahnmal zur Bücherverbrennung am Residenzplatz, fehlt aber bis heute. Die KPÖ PLUS will das ändern und hat dazu einen Antrag im Gemeinderat eingebracht. „Hunderte Menschen in unserer Stadt wurden verfolgt, gepeinigt und ermordet – nur aufgrund von wen sie liebten. Nach der Befreiung 1945 wurden die homosexuellen Opfer lange verschwiegen und verleugnet. Dass bis heute ein gemeinsamer Gedenkort für homosexuelle NS-Opfer fehlt, ist eine schmerzhafte Lücke in der Erinnerungslandschaft“, sagt Cornelia Plank, KPÖ-Klubvorsitzende im Gemeinderat der Stadt Salzburg.
Kriminalisierung Homosexueller reicht weit zurückWährend der Nazi-Herrschaft war ein eigenes Referat der Gestapo dafür zuständig, Homosexuelle auszuforschen, sie vor Gericht, in Gefängnisse und Konzentrationslager, auf Operationstische oder in Psychiatrien zu bringen. Oftmals endete das mit dem Tod. Am Landesgericht Salzburg liefen während der NS-Herrschaft gegen über 300 Personen Verfahren aufgrund gleichgeschlechtlicher Sexualität. Die betreffenden Gerichtsakten wurden 1990 vernichtet, sie wurden als nicht archivwürdig behandelt. Die Hintergründe der Verhaftungen werden daher immer im Verborgenen bleiben. Das lange Verschweigen homosexueller NS-Opfer hängt mit der langen Geschichte an Diskriminierung zusammen. Schon in der Habsburger Monarchie und der Ersten Republik wurden sie kriminalisiert und verfolgt. Auch nach der Befreiung 1945 blieb Homosexualität strafbar. Erst die Strafrechtsform von 1971 beendete das Verbot homosexueller Liebe.
Spätes ErinnernIn den Jahrzehnten nach der Befreiung vom Nazi-Terror wurden viele Opfergruppen verschwiegen und ausgeblendet. Es dauerte 67 Jahre, bis im Jahr 2012 einzelne Stolpersteine für homosexuelle NS-Opfer in der Stadt Salzburg verlegt wurden. Sie erinnern dezentral, an den einstigen Wohnorten an das Schicksal der Verfolgten. „Stolpersteine sind wichtig, aber eine andere Art des Gedenkens. Für andere Opfergruppen gibt es zentrale Gedenkstätten, die aus der Salzburger Erinnerungskultur nicht mehr wegzudenken sind. Einen solchen gemeinsamen Gedenkort braucht es auch für homosexuelle NS-Opfer. Das Gedenkjahr zu 80 Jahren Befreiung ist eine Chance, diese Lücke anzugehen. Es geht um das Erinnern, aber auch um die Gegenwart und den Schutz der Rechte aller Menschen“, sagt Plank. Sie wird als Rednerin bei der Salzburger Pride-Demonstration am Samstag auch über dieses Thema sprechen.