Stolpersteine in Saalfelden erinnern an kommunistische Widerstandskämpfer


Stolpersteine in Saalfelden erinnern an kommunistische Widerstandskämpfer
Pressestelle - Salzburg
11. Mai 2026
Schülerinnen und Schüler recherchierten Biografien von NS-Opfern
Heute, Montag, wurden in Saalfelden mehrere Stolpersteine zum Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus verlegt. Die KPÖ übernimmt die Patenschaften für die Stolpersteine der ermordeten Kommunisten Magnus Scholz und Albert und Johann Wieser. Die Stolpersteine sind Ergebnis einer Kooperation des Projekts „Orte des Gedenkens“ mit dem Gymnasium Saalfelden: Im Rahmen eines Schulprojekts haben Schülerinnen und Schüler der 8A unter Anleitung ihrer Klassenvorständin, der Historikerin Dr. Andrea Dillinger, Biografien Widerständiger und Opfer des Nationalsozialismus aus Saalfelden recherchiert.
„Kommunistische Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer wurden nach 1945 oft aus dem öffentlichen Erinnern verdrängt. Salzburger wie Magnus Scholz oder Albert und Johann Wieser haben aber unter großem Risiko Haltung gegen das NS-Regime gezeigt. Es ist wichtig, dass wir Ihnen heute einen sichtbaren Platz zurückgeben können“, sagt KPÖ-Klubobfrau Natalie Hangöbl, die an der Verlegung teilnimmt.
Magnus Scholz wurde am 4. November 1905 in Saalfelden geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Der Kaminkehrergehilfe trat nach dem „Anschluss“ der KPÖ bei und war in seiner Heimatgemeinde als Mitglied einer kommunistischen Zelle aktiv. Nach kritischen Äußerungen über das NS-Regime wurde er am 4. November 1939 von der Gestapo verhaftet. Im Februar 1940 wurde er in das Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis Berlin-Moabit überstellt. Nach etwa acht Monaten Haft kehrte er nach Saalfelden zurück, wo er 1941 Cäcilia Lechner heiratete. Als Folge der schlechten Ernährung, Isolation und psychischen Belastung während der Haft entwickelte er ein Magengeschwür, an dessen Folgen er im Oktober 1945 verstarb. Obwohl ein ärztliches Gutachten Scholz‘ Krankheit und Tod direkt auf die Haftzeit zurückführte, wurde ein Antrag seiner Witwe auf Entschädigung mehrfach verzögert und schließlich nur in geringem Umfang anerkannt.
Albert Wieser wurde am 27. März 1887 in Mittersill geboren und war bis 1914 als Säger tätig. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er als Holzarbeiter und Marktfahrer und führte schließlich ein Lebensmittelgeschäft in Saalfelden. Im Oktober 1938 wurde er wegen der Äußerung in einem Gasthaus, wonach Menschen im Kriegsfall nicht einrücken sollten, da der Krieg dann sofort beendet wäre, verhaftet und nach sieben Monaten Untersuchungshaft wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach abgesessener Strafe wurde Wieser von der Salzburger Gestapo ins KZ Sachsenhausen und später ins KZ Dachau überführt. Dort starb er am 4. Dezember 1942 – angeblich an Herz-Kreislauf-Versagen infolge einer Lungentuberkulose. Die genauen Todesumstände sind nicht bekannt. Sein Sohn Johann wurde im Dezember 1940 wegen illegaler Betätigung für die KPÖ, „Vorbereitung zum Hochverrat“ und verbotenem Waffenbesitz von der Gestapo verhaftet und 1941 ohne Verhandlung in das KZ Mauthausen überstellt.
„Die Stolpersteine holen die Erinnerung an diese Menschen dorthin zurück, wo sie gelebt haben. Sie machen sichtbar, dass Verfolgung und Terror nicht irgendwo stattgefunden haben, sondern mitten in unseren Gemeinden. Sie zeigen uns aber auch, dass es Salzburgerinnen und Salzburger gab, die Nein gesagt haben. Gerade deshalb sind sie für uns auch heute ein großes Vorbild“, sagt Hangöbl.
Link zum Projekt: https://www.ortedesgedenkens.at/vermittlung/erinnerung-an-widerstaendige-und-opfer-des-nationalsozialismus-aus-saalfelden/