Tag der Adelsaufhebung: Privilegien bestehen noch immer


Tag der Adelsaufhebung: Privilegien bestehen noch immer
Pressestelle - Salzburg
9. April 2026
KPÖ will Solidaritäts-Million von Salzburgs ex-adeligen Privilegienrittern
Am 10. April 1919 wurde in Österreich der Adel aufgehoben. Symbolische Vorrechte, beispielsweise das Führen von Adelstiteln, gehören seither – zumindest laut Gesetz – der Vergangenheit an. Andere Privilegien bestehen am morgigen Jahrestag noch immer: etwa der Reichtum, den der österreichische Adel über Jahrhunderte auf Kosten der breiten Mehrheit der Bevölkerung angehäuft hat. Der ehemalige Adel zählt nach wie vor zu den größten Grundbesitzern im Land. Prominente Salzburger Beispiele sind etwa die Mayr-Melnhofs, die für die Antheringer Au für 35,6 Millionen Euro an das Land verkauft haben, die Auersperg-Trautsons, die für die Weitwörther Au rund sieben Millionen Euro erhalten haben, oder die Familie Moy, die den Salzach-Uferwald in Anif für zwei Millionen Euro verkauft hat.
„Nach dem Ersten Weltkrieg war der Adel politisch und moralisch bankrott, aber immer noch vermögend. Die demokratische Republik hat dem Adel seine Titel genommen, aber seine angehäuften Reichtümer gelassen. Die Folgen spüren wir bis heute. Einzelne, teils selbsternannte Adelige haben beste Verbindungen in die Spitzenpolitik und können es sich richten. Dadurch können sie ihren Wohlstand sogar noch weiter vermehren. Normalsterbliche, die keine Schlösser, Wälder und Ländereien geerbt haben, haben diese Möglichkeit nicht. Die Konzentration von Reichtum in den Händen einiger weniger ist weltweit, aber auch in Österreich mittlerweile eine Gefahr für die Demokratie geworden“, sagt KPÖ-Klubobfrau Natalie Hangöbl: „Als späte Form der Wiedergutmachung schlagen wir vor, dass die zehn reichsten einst adeligen Familien Salzburgs einen kleinen Beitrag zur Allgemeinheit leisten – in Form einer Solidaritäts-Million, die gerade in finanziell angespannten Zeiten an allen Ecken und Ende gebraucht wird. In anderen Ländern sind die Reichtümer des Adels, die auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung angehäuft wurden, an die Allgemeinheit zurückgegeben worden. In Österreich war das nicht der Fall.“