Wirthaus-"Mord" in Parsch

Pressestelle - Salzburg

1. August 2025

Anhaltender Wirtshaus-Leerstand beeinträchtigt öffentliches Leben im Stadtteil

Mitten in Parsch steht seit Jahren ein traditionsreiches Gasthaus leer. Das ehemalige Restaurant „Hirschenwirt“, zuletzt unter dem Namen „Das Schmederer“ geführt, ist seit über einem Jahrzehnt – mit wenigen kurzen Unterbrechungen – geschlossen. Offiziell wegen „Betriebsferien“. Die KPÖ PLUS sieht darin ein Sinnbild für spekulativen Leerstand und verfehlte Stadtentwicklung.

„In Parsch leben rund 10.000 Menschen, doch sie finden kaum noch öffentliche Treffpunkte, insbesondere besonders in Oberparsch. Das ist sozialer Rückzug auf Raten“, warnt Cornelia Plank, Klubvorsitzende der KPÖ PLUS im Salzburger Gemeinderat: „Wirtshäuser sterben nicht einfach – sie werden verdrängt. In diesem Fall steckt die Kauflust von Superreichen dahinter.“

Luxus statt LebensqualitätDie Geschichte hinter dem Leerstand am Ludwig-Schmederer-Platz offenbart eine tiefere Problematik. 2010 ließ der – mittlerweile verstorbene – Milliardär und Media-Markt-Gründer Erich Kellerhals das traditionsreiche Lokal aufwendig zu einem Luxusbetrieb umbauen – samt Tiefgarage, Designer-Lounge und Lifestyle-Bar. Die kolportierte Investitionssumme: zwischen fünf und sieben Millionen Euro. Die Pächter wechselten häufig, der wirtschaftliche Betrieb blieb aber aus.

Seit 2018 ist die Primus Betriebs GmbH – hinter der die Witwe Helga Kellerhals steht – als Betreiberin eingetragen. Gespräche über eine Wiedereröffnung blieben bislang ohne Ergebnis. „Wenn nach millionenschweren Umbauten unrealistische Pachtforderungen gestellt werden, hat das nichts mehr mit normaler Gastronomie zu tun“, sagt Plank: „Das ist kein Wirtshaussterben mehr – das ist Wirtshausmord.“

Leerstand als Kellerhals-Strategie?Die Familie Kellerhals fällt nicht nur in Salzburg mit Leerstand auf. Auch in ihrer Heimatstadt Ingolstadt sorgt sie für Negativschlagzeilen: Durch willkürliche Schließungen und unterlassene Instandhaltung gefährdet sie den Erhalt historischer Bausubstanz – etwa im Fall des denkmalgeschützten „Körnermagazins“.

„Solche Fälle zeigen, wie wenig Rücksicht genommen wird – weder auf Nachbarschaften noch auf das kulturelle oder soziale Erbe einer Stadt“, sagt Plank: „Eigentümer wie die Familie Kellerhals müssen endlich in die Verantwortung genommen werden.“

KPÖ PLUS will Nutzung statt VerfallDie KPÖ PLUS fordert ein klares Umdenken in der städtischen Liegenschaftspolitik. Leerstand dürfe nicht länger Privatsache sein, wenn er das öffentliche Leben beeinträchtigt. Auch über eine Widmungsänderung oder Zwischennutzung könne nachgedacht werden. „Salzburg braucht Orte, an denen Menschen zusammenkommen können – nicht noch mehr Prestigeprojekte für Superreiche“, sagt Plank.